Mein brötchengeberrelevanter Lebenslauf
Ich hasse Vorstellungsrunden. Bei jedem Meeting schaufelt man sich gegenseitig mit pseudespannenden Stories zu,
um anwesende Leidensgenossen zu beeindrucken. Und je länger einer erzählt, um so unbedeutender ist dieser Wicht dann in Wirklichkeit.
Daheim wartet auf ihn dann meistens eine ihm körperlich überlegene Frau mit ihrem Nudelholz.
Also Leute, erspart Euch Eure Selbstlobeshymnen. Ich erzähle Euch ja auch nichts von mir. Daher ist meine Vorstellung immer recht kurz:
"Ich bin Anna Schneider und mein Werdegang und alles, was ich bisher verbrochen habe, steht im Netz. Wer suchet, der findet. Jetzt darf sich auch schon
die nächste Person vorstellen."
Ach, wenn nur jeder so verfahren würde, dann könnte man die sonst so knappe Meetingzeit echt viel sinnvoller investieren. Verzeiht mir meine lyrischen Abweichungen in diesem Lebenslauf, ich konnte mich nicht zurückhalten.
| Name |
Anna Schneider |
| Geburtsdatum/-ort |
xx.xx 1977 / Moskau
"Eine Russin!" - "Jaaaha." - "Na zdarovje!" - Erstens heißt der Trinkspruch "Za Zdarovje" ("Auf die Gesundheit") und
wenn Euch sonst nichts mehr dazu einfällt, tut Ihr mir Leid. Und ja, Russisch ist meine Muttersprache,
eine sehr ausdrucksvolle, übrigens, nicht nur was Schimpflexik angeht. Und nein, bei mir in der Familie hat keiner Deutsch gesprochen, bin also ein Naturtalent.) |
| Wohnort |
Erlangen
Stadt der besoffenen Studenten, Medizinstadt, Bergstadt, Stadt rücksichtsloser Radfahrer, Stadt mit überteuerten Wohnungen,
überbevölkert mit snobistisch veranlagten Angestellten eines großen Elektronikkonzerns. Und trotzdem mag ich diese Stadt, die inzwischen zu meiner gefühlten
Heimatstadt geworden ist. |
| Ausbildung |
1984-1994 |
Div. Schulen in XXXXXX (kann eh keiner aussprechen), Russland
Zwei Schulen waren das. Sieben qualvolle Jahre verbrachte ich in einer allgemeinbildenden Anstalt,
wo ich hauptsächlich eistecken lernte und dann noch drei herrliche Jahre in einem geisteswissenschaftlichen "Lyzeum", wo ich austeilen wieder gelernt habe.
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1985-1992
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Zeichnung, Öl, Plastik, Komposition und Kunstgeschichte an der staatlichen Kunstschule in XXXXXX
Ja, ich habe noch Malen, Zeichnen und kneten gelernt als Ausgleich zum nichtsnützigen allgemeinbildenden Knast.
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1988-1992
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Akkordeonausbildung (Knopfakkordeon - Bajan) an der staatlichen Musikschule in XXXXXX
Es war herrlich. Ich liebte die Lehrin über alles und habe mich entsprechend reingehängt. Habe in Konzerten vor einigen Hundert Leuten gespielt,
hauptsächlich Solo und gelegentlich in einem
Orchester. Da war ich immer die älteste, weil ich mit der Musik vergleichsweise spät angefangen habe. Ich hatte schrecklichen Lampenfieber und fühlte mich immer den Geiern zum Fraß vorgeworfen.
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1994-1999
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Germanistik-Studium an der Moskauer Pädagogischen Universität
Es war hart genug, alleine die fiesen Aufnahmeprüfungen zu bestehen. Hierzulande ist es viel einfacher: Hat man Zeit und Geld -
geht man studieren (Abi oder vergleichbare relevante Abschlüsse setz ich jetzt mal ganz frech voraus.)
Nicht in Russland. Russich und Deutsch schriftlich und mündlich, Geschichte mündlich, Literatur schriftlich (Aufsatz) und mündlich hießen die Prüfungen,
die mich immer noch in schlechten Träumen verfolgen.
Hast Du dann je nach Prüfungsjahr zum Teil zwei Punkte zu wenig, bist Du raus. So einfach ist das. Habe beim Aufsatz einen Komma vergessen, schon war es einen Punkt zu wenig.
Ich hatte Glück. Es waren in diesem Jahr nur 30 Leute pro Studiumplatz zur Prüfung angemeldet. Es war eine harte, nervensägende Arbeit.
...Wurde hierzulande nichts davon anerkannt, danke aber auch vielmals.
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1998 - 1999
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Diplomarbeit an der Moskauer Pädagogischen Universität "Die Nordbairische Westschranke in heutigem Landkreis Fürth:
Vergangenheit und Gegenwart"
Mit einer Bestnote absolviert, was habt Ihr denn erwartet. Und keine Sau interessiert's :-)
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| 1999-2005
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Studium der Computerlinguistik, Germanistischen Linguistik und
Informatik (Schwerpunkt Datenbanksysteme) an der FAU Erlangen-Nürnberg
Nach dem Erststudium habe ich gehofft, nie wieder durch diesen Prüfungskampf gehen zu müssen. Da sieht man, wie das Leben spielt.
Aber was soll man denn tun, wenn das ganze Studium nicht anerkannt wird.
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2002
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Zwischenprüfung Computerlinguistik, Germanistische Linguistik,
FAU Erlangen-Nürnberg
Was soll ich dazu sagen. Bestanden und gleich weiter arbeiten gehen.
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2004
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Magisterarbeit am Lehrstuhl Computerlinguistik FAU "XJSLIM:
Entwurf und Implementierung einer XML-Schnittstelle für JSLIM",
Konzeption, Programmierung Java, XML, DTD, Schemata etc.
Kein Kommentar. Ich war jung und brauchte Geld. Also schnell ein Thema formuliert, mit dem Prof kurz besprochen und zu seinem Grauen gleich
angemeldet. Sonst würde es mir genauso gehen, wie meinen anderen Studienkollegen: Für eine unwesentlich höhere Note müssten einige von ihnen bis zu 3 Jahre schuften, einen ständigen
Richtungswechsel in Kauf nehmen. "Das ist sehr gut, aber machen Sie doch noch dies und jenes". Na Ihr wisst schon.
Und natürlich ganz klar: Keine Sau hat es danach interessiert.
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Juli 2004
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Magisterklausuren und Magisterprüfung
Na geht doch. Jetzt bin ich eine M.A. Klingt leider schlechter, als "Diplom", aber zumindest besser als "Bächälär".
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| Abschlüsse |
1999
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Diplom Sprachwissenschaft und interkulturelle Kommunikation,
Pädagogische Universität Moskau
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2005
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Magister Linguistische Informatik, Germanistische Linguistik, Informatik
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| Fremdsprachen |
Russisch (33 Jahre), Deutsch (22 Jahre), Englisch (10 Jahre), Latein (79 Stunden)
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| Beruflicher Werdegang |
1994-1999 |
Einzel- und Gruppenunterricht Deutsch als Fremdsprache für Schüler (Altersgruppe 6 - 17 Jahre).
Schön war's. Hierzulande werden Nachhilfeschüler gequält, die keinen Plan haben. In Russland werden beste Schüler noch besser gemacht,
was den Spassfaktor für mich als Pädagogen verdoppelte. Und ja, ich hatte um die 15 Schüler im Einzelunterricht und weiß nun von 12 davon, dass sie die
Aufnahmeprüfungen an der Uni inzwischen erfolgreich hinter sich haben, yeah, ein gutes Gefühl.
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1996 - 1997
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Mercedes-Benz Logovaz Belyajevo (lies: Moskau): Dolmetscherin, Assistentin des Geschäftsführers
War lustig und körperlich anstrengend zugleich: Hinten im Mercedeslimusine hocken und einem russischen mechaniker die Anweisungen seines deutschen Kollegen übersetzen.
Ein herrlicher Studentenjob. Leider wird mir immer so schlecht in einem gut gefederten Auto, wenn ich auf dem Rücksitz hocken muss :-)
Christliche Solidarität Germering e.V.: Dolmetscherin
Hier lernte ich zum ersten Mal die russische Bürokratie und ein Paar nette Deutsche, die damals in Russland zu den Exoten zählten, kennen.
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2000-2001 |
Freiberufliche Referentin (Deutsch für Ausländer, Erwachsenenbildung, internationale Gruppen)
bei ESO Nürnberg
Der Unterschied zum privaten Unterricht in Russland wie Tag und Nacht. Wie einer von diesen vielen vom Arbeitsamt finanzierten "Schülern"
mir schon entgegenknurrte: "Ich sitze hier nur, weil ich sonst vom Arbeitsamt kein Geld bekomme, wenn ich diesen Integrationskurs nicht mitmache.
Also bleib mir weg mit deiner Grammatik." Diese Einstellung hatten die meisten in der ca. 20 Leute-Gruppe. Schluss. Keine Kommentare mehr dazu.
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ab 2000
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Eingetragen in die Dolmetscherkartei des Polizeipräsidiums
Nürnberg, Fürth
Nachts mit einem Polizeiauto von Zuhause abgeholt zu werden schafft am Morgen fragende runde Augen beim Nachbarn :-)
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2002 - 2003
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Studienbegleitende Tätigkeiten am Lehrstuhl Mustererkennung der Universität Erlangen-Nürnberg.
Implementierung von Sprachdialogsystemkomponenten mit VoiceXML, PHP, HTML/CSS, XML, div. Softwaretests (Lernsoftware, Flash, HTML,
DB-Anwendungen, VoiceXML, Dialogmanagement)
Habe mir dabei noch VoiceXML, php und MySQL beigebracht. Hat sich gelohnt in Punkto Blog und Bildergalerie. VoiceXML ist dann mit dem richtigen Jobbeginn ad Acta gelegt.
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März 2002 - Mai 2005
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Firma Dr. Hagen & Partner GmbH: Entwurf und Implementierung eines Sprachdialogsystems
mit VoiceXML, Implementierung sprachlicher Steuerungskomponente für die Process Engine (Stichwort "sprachgesteuerte Prozesslenkung")
mit VoiceXML und PHP, Webprogrammierung, HTML/CSS, div. Softwaretests, Spezifikation (Usability, Prozessvisualisierung, GUI-Design),
Benutzerdokumentation.
Was soll ich dazu sagen. Meine VoiceXML-Begeisterung hat mir dann anfangs zu meinem zweiten und heutigen IT-Job verhofen.
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ab Mai 2005
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Firma Covum AG: Technisches Produktmanagement, Konzeption, Spezifikation, Consulting, div. Publikationen/Vorträge, Integration;
Planung, QM, Usability/GUI;
Schwerpunkte: CSCW, Business Process Management, Workflowmanagement, Trouble Ticket Systeme, Prozessautomatisierung, Prozessvisualisierung,
Human Interactivity in Prozessen, Prozessportale, Content Management, Datenmanagement, Dokumentenmanagement, Web2Print)
Ich war eigentlich schon immer ein BPM-Freund, warum auch immer und habe diese Kenntnisse eben lange weiter ausbauen dürfen.
Seit 2008 gab es dann eine Änderung in Richtung Web2Print, was meine Arbeit abwechslungsreicher machte, andererseits meine Dissertationspläne nicht zu meinem Vorteil
umkrempelt hat. Ich zähle zwar seit 2007 oder ähnl. als externe Doktorandin an der MFK Erlangen, mache da aber wegen diesem Richtungswechsel zur Zeit eher wenig.
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| IT | |
| Administration
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Windows NT 4.0 Server und Workstation (lange ist es her)
Windows 9x
Windows 2000 Server und Professional
Windows XP
Windows Vista
Linux (Suse, Gentoo, RedHat)
Ach, wen interessiert das alles jetzt. Aber einer, der sich schon mal damit beschäftigt hat, kriegts vielleicht wieder hin, wenns brennt
oder weiß zumindest, wo er fragen soll. Also lass ich diesen Abschnitt hier aus historischen Gründen stehen.
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Programming
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Wie hiess es damals im Sysprog? "Vom Programmieren spricht man nicht - das kann man einfach."
Java
C, C++
C#, .Net
SQL
PHP
Perl
HTML, CSS
JavaScript
TEX/LATEX
XML, VoiceXML
Wer nicht täglich programmiert, vergisst es schnell wieder. Das ist genauso wie mit allen Tätigkeiten: Wer nicht regelmäßig übt, #
kanns bald nicht mehr. Also übe ich mich in der Freizeit in PHP, CSS und HTML für meinen Blog und sitze bei Entwicklerbesprechungen nicht ganz ahnungslos da.
Aber Programmierer bin ich nicht.
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| Sonstiges,Tools
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Alle Covum-Produkte und Basissysteme
Web 2.0-Anwendungen
Wordpress
Notepad++
Apache, PHP, MySQL, XAMPP
FTP aus der Shell bedienen :-)
Eclipse + Java
EPK, BMPL, BEPL
MS-Office
UML
MS Visual Studio, .Net
MSSQL Server
CorelDraw!
Corel Painter
Adobe Photoshop
Nikon Capture NX
MS Office :-P
Zope
XEmacs
IBM VoiceServerSDK
Ich liste hier mal einfach die Begriffe, die ich schon mal nicht nur vom Hören-Sehen, sondern auch vom Anfassen und herumfluchen kenne.
Viele davon sind so selbstverständlich, dass sie auf den ersten Blick gar nicht erwähnungswürdig sein mögen. Ich lasse sie trotzdem so da stehen,
allein um mich daran zu erinnern, dass ich mich mit so einem Kram beschäftigt habe.
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